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[Teil 3] Ein Leben für den Fußball

Dass es im Fußball und vor allem in der Schiedsrichterei nicht immer nur bergauf geht, war eine der Erkenntnisse, die ich mitnehmen konnte und gleichzeitig auf das Leben generell übertragen konnte. Denn obwohl ich stets alle Spiele übernahm, zu denen man mich ansetzte, alle Regeltests pünktlich abgab und bei allen Lehrabenden dabei war, blieb ich faktisch auf meiner Entwicklungsstufe stehen. 
Während ich die coolen Spiele alle vom Seitenrand, also als Assistent erlebte, pfiff ich selbst nur Juniorenspiele. Das mag für den Anfang ganz nett sein, aber nach zwei Jahren erhoffte ich mir mehr. Eine C-Jugend auf Großfeld konnte nicht der Maßstab sein, wenn ich irgendwann die Spiele selber leiten wollte, bei denen ich bislang nur an der Linie stand. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass es für meine Weiterentwicklung nicht dienlich war, wenn ich Kleinfeldspiele leitete. Folglich meldete ich einmal, als ich von einem Beobachter gefragt wurde, ob ich denn gerne selbst Spiele leiten wolle, an, …

Eine Liebeserklärung auf das Laufen, oder „Ich laufe dann los“

Ronald Rengs „Warum wir laufen“ ist nach der großartigen Bundesliga-Geschichte „Spieltage. Eine andere Geschichte der Bundesliga“ und meinem bis heute schon dutzendfach gelesenen Lieblingsbuch „Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben“ das dritte Werk, das ich von ihm lese. 
Gekauft habe ich das Buch weniger aufgrund meiner eigenen Laufbegeisterung. Die existiert zwar, da ich als Fußballschiedsrichter nicht um das ein oder andere Lauftraining umhin komme, aber als enthusiastisch würde ich mich nicht beschreiben. Vielmehr erwartete ich eine Liebeserklärung an das Laufen. Und ich wurde nicht enttäuscht. 
Auf knapp 300 Seiten widmet sich Reng seiner Leidenschaft aus vielfältigen Perspektiven. Sei es sein eigenes Leben, das seit seiner Jugendzeit durch das Laufen geprägt war, seien es unzählige Interviewpartner, die ihm, jede/r auf seine eigene Art und Weise, ihre Laufgeschichte erzählten oder seien es die wissenschaftlichen Beiträge, die einem jeden Sportler wahrhaft aufschlussreiche Einblicke …

[Teil 2] Ein Leben für den Fußball

Nachdem ich meine ersten Juniorenspiele absolviert hatte, die ich, anders als das heute der Fall ist, noch in einem monatlich erscheinenden Ansetzungsheft zugestellt bekam, bekam ich an einem Freitagabend einen Anruf. "Hey Max, hier ist Niko, ich bin auch Schiedsrichter bei deinem Verein. Bei mir hat morgen ein Assistent abgesagt, würdest du mitkommen?" - Stille. Schlucken. "Na klar, ich freue mich." Und ich freute mich wirklich sehr, aber die Aufregung verschlug mir kurz die Sprache. Ein A-Jugend Bezirksligaspiel. Um Gottes Willen, in der Liga spielte ich selbst noch nicht. Und, es war kein Kreisspiel, das niemanden interessierte. Aber stolz war ich auch. Dass man an mich als erstes dachte. (Was, wie ich im Nachhinein erfuhr, daran lag, dass keiner sonst Zeit hatte)
So packte ich meine Sachen, die Trikots, die ich geschenkt bekommen hatte, und wartete am nächsten Morgen am Abfahrtsort. Zum ersten Mal war ich in einem echten Kollektiv unterwegs. Zum ersten Mal stand…
"[...] Natürlich muss Politik flexibel reagieren, sie muss Fehleinschätzungen korrigieren. Aber wenn Politik allein aus der Gegenwart heraus gemacht wird, wenn sie ohne die Vorstellung auskommt, wie man in zwanzig, in fünfzig Jahren leben will, wenn sie nicht vom Willen beseelt ist, den eigenen Kindern und Engeln eine bessere Welt zu hinterlassen, dann wird sie richtungslos.  Dann entscheidet sie sich heute für dies, morgen für das Gegenteil, je nachdem, was die Umstände und Umfragen gerade nahelegen. Politik braucht die großen Vorhaben, die Visionen und Ziele, die nicht realistisch sein mögen, aber eine Perspektive aufzeigen. Einzig mit Pragmatismus wäre die Europäische Union niemals gegründet worden und wäre Deutschland nicht die Aussöhnung mit seinen östlichen Nachbarn gelungen. Um über sich selbst hinauszuwachsen, muss man nach oben streben, in den Himmel, der über allen Menschen derselbe ist. Wenn etwas aus den Wahlen in Amerika für Europa zu lernen ist, dann dies: Nur die Au…

Über Bücher und den Verfall eines Kulturguts

Anlässlich eines Artikels auf ze.tt [http://bit.ly/1UiGgUX] hier ein Text über die Liebe zu Büchern und den derzeitigen Verfall eines Kulturguts.

Im oben erwähnten Artikel wird darauf eingegangen, dass Intellektuelle sich nicht mit schnellen Autos oder schönem Schmuck brüsten, sondern dass sie sich ihr Bücherregel mit unzähligen Wälzern und Werken der Weltliteratur schmücken, die sie im Zweifel niemals lasen. Dies sei ein Betrug an sich selbst und Selbstdarstellerei. Aber was ist schon dabei sich mit dem zu umgeben, dass man, sofern man sich denn wirklich mit Literatur und Büchern an sich beschäftigt, so abgöttisch liebt?

Ich kann an dieser Stelle nur für mich selbst sprechen, wenn ich sage, dass mich Bücher und das Lesen ebendieser beruhigen, mich erden und mir das Gefühl geben, etwas Ewiges in den Händen zu halten. Ewig? - Ja, sofern ein Werk es wert ist, hundert Jahre nach seinem Erscheinen noch gelesen zu werden, kann ich von Ewigkeit sprechen, weil mein Leben diese Zeitspanne n…

[Teil 1] Ein Leben für den Fußball

Fast jeder Mensch hat in seinem Leben eine Leidenschaft, für die er seine Zeit opfert. Egal, was für ein Hobby man hat, jeder opfert dafür Zeit, Geld und den ein oder anderen Nerv, aber das tun wir sehr gern, denn am Ende bereichern unsere Hobbys unsere Leben ungemein und ich könnte mir nicht vorstellen, auf meine Passion zu verzichten.
Es ist noch nicht allzu lange her, als mich einer meiner besten Freunde fragte, ob ich nicht Lust hätte, neben unserer Fußballerkarriere noch die Schiedsrichterei zu beginnen. Und ich dachte mir damals nur: „Naja, man kann es ja mal probieren und schauen, wie es so ist. Außerdem lässt sich damit sehr einfach das Taschengeld aufbessern.“ Und so kam es, dass wir beide überlegten, den Anwärterkurs gemeinsam zu besuchen, um unseren Schiedsrichterschein zu machen.
Doch so einfach war die Sache am Ende doch nicht, denn mein Kumpel entschied sich dagegen und wollte sich lieber auf das eigene Fußballspielen konzentrieren - eine nachvollziehbare Entscheidung. Für…

Über innere Leere

„Wunderlich war der unglücklichste Mensch, den er kannte.“ - so beginnt ein Roman von Marion Brasch, über den ich gerade im ZEITmagazin etwas las. Ein Aufhänger, der mir mal wieder als Inspiration für ein kleines Textchen dienen soll.  Unglücklich bin ich recht selten, also zumindest denke ich das. Natürlich gibt es diese Momente, in denen man sich fragt, was das hier alles soll bzw. für was die Mühe lohnen wird, aber grundlegend unglücklich sind wohl nur die Interpreten/Urheber solch tiefgründiger Sprüche wie „und vielleicht war es auch einfach nur mein Fehler, in dir etwas wichtiges zusehen“ oder „Na glücklich? - Geht auch wieder vorbei!“ (Eigentlich sollte ich mich jetzt für das Zitieren von Vierzehnjährigen entschuldigen, aber was wäre die Wunde ohne jemanden, der den Finger hineinlegt?)
Es geht mir heute um das Gefühl innerer Leere und dem Bedürfnis einer Sehnsucht oder einer Hoffnung nachzuhecheln, wie unerreichbar diese auch sein mögen: 
Es sollte weh tun, es sollte unglücklich …