Donnerstag, 17. Januar 2013

CD-Vorstellung [2] - James Blake „James Blake“

Es ist nachts - 23:25. Das Bedürfnis nach etwas, das mich jetzt bewegt, ist groß. In meinem warmen Zimmer schweife ich umher, blicke ins Bücherregal, aber nichts vermag mich zu entzücken. Der nächste Halt ist das unsortierte CD-Schränkchen, welches sich direkt neben meinen DVDs, unter denen einige immer noch darauf warten, dass ich sie aus der Plastikfolie befreie, befindet.

Doch nun springt mir ein so schönes Bild eines Covers ins Auge und ich muss einfach zugreifen. James Blakes Debütalbum war eine der großen Entdeckungen 2011. Sowohl Kritiker als auch normale Hörer empfanden ihn als die große Hoffnung am Musikhimmel. Und ich kann ihnen nur beipflichten. Falls ihr euch jetzt wundert, warum es dann bei uns nicht in den Charts war, solltet ihr euch unsere kommerzielle Musiklandschaft anschauen. Eine Qual. Doch lassen wir dieses Thema. Ich rege mich bloß wieder auf. 


Das erste Lied beginnt mit seiner so typischen Gangart, dieser Rhythmus, dieses Gefühl ist von Anfang an so ergreifend. Man fühlt, dass es nicht so normal ist, und sich das Ohr eigentlich zurück zur „normalen“ Musik zieht, aber ich konnte einfach nicht weghören. 
Danach beginnt der Beat meines ersten Highlights. „The Wilhelm Scream“ war das erste Lied, welches ich mir von Blake anhörte und es verwandelte mich - so apathisch zuhörend saß ich noch nicht auf meinem Schreibtischstuhl und wenn ich jetzt wieder hereinhöre, ist es da. Und es fällt mir schwer, alles in Worte zu fassen. 

Völlige Hingabe an die Musik ist von Nöten, um James Blakes atmosphärischen und manchmal als „experimentelle“ Spielchen verkannten Sound zu verstehen. Schafft man es nicht und hört ihn nur nebenher, ist er ein Nichts. Es ist wie mit guter Lyrik: entweder du gibst dich ihr hin oder du wirst sie niemals verstehen. 

Heute konnte ich, als ich meine Liebste, von Schulstress geplagt, abholte, sowohl auf Hinfahrt als auf der Rückfahrt den elektrischen Ausdrücken lauschen. Der Raumklang ist im Auto schon deutlich besser als auf irgendwelchen Kopfhörern. Wenn der Beat durch den Körper schwirrt und man jeden Bassschlag, welcher anfangs völlig willkürlich wirkt, spürt, hat man die richtige Umgebung gefunden. 
Dazu eine kleine Anekdote: Im Musikunterricht gab es bei mir am Ende eines Schuljahres immer eine sogenannte „YouTube-Stunde“. Da zeigte ich meinem Kurs einen Liveauftritt von James Blake. Selbst mein Musiklehrer brauchte einige Sekunden, um festzustellen, dass es sich um einen Viervierteltakt handelt, der allerdings nur aller vier  Takte „rund“ wird.

Doch weiter im Text: Das Stück, mit dem James Blake Bekanntschaft errang, hat er von Feist gecovert, "Limit to your Love". Und das hat er sehr gut gemacht. Die Grundmelodie ist im Großen und Ganzen gleich geblieben. Allerdings unterlegt Blake es noch mit einem akzentuierenden Beat und setzt damit Zeichen. Es ist so akkurat, aber gleichwohl minimalistisch, wie alle von Blakes Stücken. Einige sind ausschließlich mit Klavier begleitet wie beispielsweise „Give me my mouth“. 

Zum Schluss kann ich jedem, der sich auf neue Musik einlassen möchte, nur empfehlen, dieses Album am Stück, allein und ohne Untermalung eines Gespräches anzuhören. Es ist sonst nicht das, was es sein soll. Ein perfektes Kunstwerk, das sich nur in seiner Gänze offenbart. Unzählige Male durfte ich schon dieser durchaus polarisierenden Innovation lauschen - wohl werde ich der Erste sein, der ihn live erlebt, wenn er sich denn in meine Nähe traut. 

Weitere Informationen: Polydor / Universal VÖ: 04.02.2011

Viel Spaß beim Hören und liebste Grüße
amaXing




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