Montag, 24. November 2014

[Teil 1] Ein Leben für den Fußball

Fast jeder Mensch hat in seinem Leben eine Leidenschaft, für die er seine Zeit opfert. Egal, was für ein Hobby man hat, jeder opfert dafür Zeit, Geld und den ein oder anderen Nerv, aber das tun wir sehr gern, denn am Ende bereichern unsere Hobbys unsere Leben ungemein und ich könnte mir nicht vorstellen, auf meine Passion zu verzichten.

Es ist noch nicht allzu lange her, als mich einer meiner besten Freunde fragte, ob ich nicht Lust hätte, neben unserer Fußballerkarriere noch die Schiedsrichterei zu beginnen. Und ich dachte mir damals nur: „Naja, man kann es ja mal probieren und schauen, wie es so ist. Außerdem lässt sich damit sehr einfach das Taschengeld aufbessern.“ Und so kam es, dass wir beide überlegten, den Anwärterkurs gemeinsam zu besuchen, um unseren Schiedsrichterschein zu machen.

Doch so einfach war die Sache am Ende doch nicht, denn mein Kumpel entschied sich dagegen und wollte sich lieber auf das eigene Fußballspielen konzentrieren - eine nachvollziehbare Entscheidung. Für mich sah die ganze Geschichte jedoch ein bisschen anders aus: Seit der F-Jugend, mit zarten sieben Jahren, habe ich bei meinem Heimatverein die Jugendmannschaften durchlaufen. Und obwohl ich praktisch seit der C-Jugend zu einem Führungsspieler wurde, der eher durch seinen Kampfeswillen als durch seine technische Begabung hervorstach, war mir klar geworden, dass es nach der Zeit in der Jugend wohl nicht für mehr als die Bezirksliga reichen würde. Also warum nicht versuchen, einen zweiten Fuß in die Tür zu bekommen?

Der Anwärterlehrgang, den ich schlussendlich, ohne jemanden dort zu kennen, besuchte, war nicht die absolute Offenbarung, nichtsdestotrotz bestand ich meine Prüfung im ersten Versuch mit 52 von 60 möglichen Punkten. Keine Glanzleistung, aber es hat gereicht. Für mich war die ganze Geschichte noch immer so unfassbar abstrakt, dass ich mich zwar irgendwie auf meine ersten Spiele freute, aber doch noch immer wahnsinnig skeptisch war, ob das alles denn wirklich die schöne Zeit, die ich als aktiver Spieler hatte, ersetzen könnte.

Es kamen meine ersten Ansetzungen. In meinem Nachbardorf war eine Jugendmannschaft zu leiten. Wie aufgeregt ich war, ist nicht in Worte zu fassen. Doch nach den ersten Pfiffen war ich doch recht ordentlich in die Partie gekommen, es hilft ungemein selbst Fußball gespielt zu haben. So wusste ich grob, wo ich stehen und wie ich mich gegenüber den jungen Spielern verhalten musste. Da meine Erinnerung nur noch hergibt, dass ich mit meinen Spielen ziemlich zufrieden war, kann ich nicht sagen, ob ich wirklich gut war. In jedem Fall waren meine Eltern, wenn sie mich bei meinen anfänglichen Spielen noch begleiteten und das komplette Spiel verfolgten, zufrieden mit mir, im Nachhinein sagten sie mir dann auch noch, wie stolz sie auf mich seien, dass ich diese neue Aufgabe so meisterte.

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Ich werde diese Rubrik zeitnah fortführen, weil ich soeben festgestellt habe, wie viel Spaß es mir bereitet, meine Zeit als Fußballer/Schiedsrichter Revue passieren zu lassen. Nur bleibt mir heute Abend nicht mehr genug Zeit, um alles auf einmal aufschreiben zu können. Dafür muss ich morgen zu früh in die Uni und ich darf nicht einschlafen. Nicht schon wieder.

In diesem Sinne,
viel Spaß und liebste Grüße
amaXing

Dienstag, 5. August 2014

Über innere Leere


„Wunderlich war der unglücklichste Mensch, den er kannte.“ - so beginnt ein Roman von Marion Brasch, über den ich gerade im ZEITmagazin etwas las. Ein Aufhänger, der mir mal wieder als Inspiration für ein kleines Textchen dienen soll. 
Unglücklich bin ich recht selten, also zumindest denke ich das. Natürlich gibt es diese Momente, in denen man sich fragt, was das hier alles soll bzw. für was die Mühe lohnen wird, aber grundlegend unglücklich sind wohl nur die Interpreten/Urheber solch tiefgründiger Sprüche wie „und vielleicht war es auch einfach nur mein Fehler, in dir etwas wichtiges zusehen“ oder „Na glücklich? - Geht auch wieder vorbei!“ (Eigentlich sollte ich mich jetzt für das Zitieren von Vierzehnjährigen entschuldigen, aber was wäre die Wunde ohne jemanden, der den Finger hineinlegt?)

Es geht mir heute um das Gefühl innerer Leere und dem Bedürfnis einer Sehnsucht oder einer Hoffnung nachzuhecheln, wie unerreichbar diese auch sein mögen: 
Es sollte weh tun, es sollte unglücklich machen und es sollte auch mit dem Infragestellen der eigenen Persönlichkeit zusammenhängen. Aber warum? 




Weil Leere noch unverdaulicher ist als unerfüllbare Sehnsucht. Das hört sich jetzt erstmal für alle unglücklich Verliebten und Hungernden sehr grausam und verständnislos an, ist aber aus meiner momentanen, egozentrischen Sicht absolut nachvollziehbar. Für mich ist es nämlich deutlich angenehmer jemandem hinterher zu jagen als ziellos durch das weite Land zu streifen und sich zu wundern, warum man gerade jenes oder folgendes getan habe. Diese Ziellosigkeit ist es, die die Menschen am Sinn ihres Lebens zweifeln lassen. 

Häufig wird mir von Freunden vorgejammert, wie sehr sie sich darüber ärgern, an die Verflossene denken zu müssen oder einer verlorenen Chance nachzutrauern und, das muss ich dazusagen, ich verstehe das. Natürlich ist es traurig und man sieht zwischenzeitlich mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber wie unglücklich muss erst derjenige sein, der den ganzen Tag nur darauf wartet, von etwas schwärmen zu können oder in einer etwaigen Erinnerung schwelgen zu dürfen? 

„Normal wünschen sich die Menschen, ihr Glück endlich zu finden - wie unglücklich muss erst derjenige sein, der gar nicht sucht?“




In diesem Sinne,  

viel Spaß und liebste Grüße  
amaXing

Donnerstag, 31. Juli 2014

Einige Gedanken zu Büchern und warum ich lese

Wie das so ist mit den Gedanken, kommen sie bei mir am häufigsten innerhalb eines Gespräches zustande, in welchem sich die beiden Gesprächspartner zumeist unbewusst einem Thema widmen, über das sie dann referieren. Meine Einfälle häufen sich dann, aber was den Diskurs ausmacht, ist, dass mein Gegenüber mich auf eine Idee bringt, die länger beschäftigt. Zuletzt geschah dies, nachdem wir uns über Bücher und Filme unterhielten und auf die Frage, was ich nun läse, antwortete ich „Grenzgang“ von Stephan Thome. (Wem dieses Buch kein Begriff ist, sollte sich nötigenfalls darüber informieren oder einfach mich fragen.)
In jedem Fall bekam ich als Antwort, dass das Buch zu real und traurig sei, woraufhin ich fragte, ob reale und traurige Bücher nicht seine Sache seien, was schlussendlich darin mündete, dass die These „Für mich sind Bücher und Filme eher ein Weg aus der Realität zu entkommen“ in den Raum gestellt wurde.

Und darüber, man kann es sich nicht vorstellen, zerbrach ich mir die darauffolgenden Minuten und Stunden den Kopf:
Dass in Büchern Realitäten, wie absurd und abstrus sie auch immer sein mögen, abgebildet werden, steht nun für mich außer Frage. Aber ist es der vorderste Gedanke bzw. geht es der Mehrzahl der Leser von Büchern darum, aus der Realität für einen Augenblick zu entkommen?

Ich lese sehr selten Fantasybücher. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht so recht. Im Grunde genommen regen sie die Phantasie am meisten an und erlauben es uns, in eine vollkommen irreale Welt einzutauchen und uns zu erträumen, wie das Leben sein könnte. Ich denke, dass diese Geschichten es uns ermöglichen am einfachsten abzutauchen in Realitäten, die uns zwar fremd, aber doch interessant und beschaulich erscheinen. 
Wahrscheinlich sprechen sie mich nicht so an, weil ich mich eher für Lebensgeschichten und reale Zusammenhänge interessiere.

Dennoch bin ich der Meinung, dass mein Gesprächspartner recht hatte, denn selbst reale Geschichten lassen uns aus dem Hier und Jetzt entkommen und für einen Moment der Ruhe in ein anderes, fremdes Leben eintauchen. Und wie sehr ich die These bestätigen kann, wurde mir erst heute klar (ja, ich schreibe schon mehrere Tage an diesem Text):
Wenn ich mich fallen lassen möchte, mir die Menschen in meinem Umfeld die Nerven rauben oder ich das Gefühl habe, dass die Welt sich nicht so verhält, wie ich mir das wünsche, nehme ich mir ein Buch, dass mich ablenkt und mir die Möglichkeit gibt, meine Gedanken mit anderem zu füllen als nutzlosem Gelaber. Dann lebe ich die Probleme, Freuden und Unwägbarkeiten der Handelnden des Buches. Und was das für eine Erholung sein kann, weiß jeder, der ein Buch schon einmal nicht mehr aus der Hand legen konnte.

An dieser Stelle möchte ich aber noch anbringen, dass es für mich auch andere Gründe gibt, warum ich zu Büchern greife: 
Zum einen ist es für mich studienbedingt, mehr als 30 Bücher in einem Semester lesen zu müssen.
Klassiker der deutschen Literatur erscheinen den Schülern, die sie lesen müssen, oft so weltfremd. Mir geht es da meist anders. Schon allein auf die Frage, warum ein Buch zum Klassiker wurde, - ja, liebe Kinder, Faust wurde irgendwann als normaler Text geschrieben und hat sich erst einige Jahre später zum Klassiker entwickelt - gibt es die klare Antwort, dass es entweder zeitgeschichtlich von unglaublicher Bedeutung war oder aber immer noch einen bedeutenden Bezug zur Gegenwart hat. Das beste Beispiel dafür ist eines, welches mein Professor zum besten gab. „Der Process“ von Franz Kafka lässt sich super für die momentane Preisgabe persönlicher Daten auf Facebook oder meinem eigenen Blog anwenden. Niemand zwingt uns unsere persönlichen Befindlichkeiten und Bilder irgendwem preiszugeben, dennoch vergeht kein Tag, an dem niemand aus meiner Freundesliste ein Bild von sich hochlädt. Ähnlich verhält es sich mit Josef K. - aber an dieser Stelle möchte ich nicht spoilern, wer sich dafür interessiert und genug Durchhaltevermögen besitzt, wird einiges mitnehmen können.
Doch zurück zum Thema - abgesehen von dem Klassikerstatus und der Gegenwartsbedeutung bestimmter Bücher ist ein weiterer Beweggrund für mich, das Bedürfnis mich selbst bilden zu wollen. Viele Werke haben in sich eine erzieherische Intention bzw. stellen kontroverse Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Ob ich jetzt an „Die Maßnahme“ von Brecht denke oder, um mal in der Gegenwart zu bleiben, an ein Buch von Thilo Sarrazin, es bleiben immer Fragen offen, über die es sich Gedanken zu machen gilt. Ich möchte an dieser Stelle nicht darauf eingehen, inwiefern ich die Bücher für gut oder schlecht halte, die Haltung des Autors als angemessen erachte oder inwiefern das Buch kontrovers ist. In jedem Fall lohnt es sich, sie gelesen zu haben, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, die nicht maßgeblich von den Medien geprägt ist.
Und solche Bücher sind es, die gelesen werden müssen, um am gesellschaftlichen und medialen Diskurs teilnehmen zu können. Natürlich kann ich mir alles von den Medien, meinen Mitmenschen oder dem Internet vorkauen lassen und dann erzählen, was sich andere Menschen, die das Buch nicht zwangsläufig gelesen haben müssen, denken, aber dann darf ich mich nicht beschweren, wenn wieder einmal ein Populist erzählt, dass die Medien uns alle gleichschalten.

Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Gründe, warum man liest. Oder Filme schaut. Falls jemandem, der den Text bis zum Ende las, einer einfällt, möge er mich in den Kommentaren davon in Kenntnis setzen. (Ich bin absichtlich nicht auf den Unterhaltungswert eines Buches eingegangen, da ich der Meinung bin, dass es davon zu viele gibt. Also Bücher, die keinerlei anderen Nutzen haben, als die Menschen zu unterhalten.)



In diesem Sinne,
viel Spaß und liebste Grüße
amaXing