Montag, 22. Februar 2016

Über Bücher und den Verfall eines Kulturguts

Anlässlich eines Artikels auf ze.tt [http://bit.ly/1UiGgUX] hier ein Text über die Liebe zu Büchern und den derzeitigen Verfall eines Kulturguts.

Im oben erwähnten Artikel wird darauf eingegangen, dass Intellektuelle sich nicht mit schnellen Autos oder schönem Schmuck brüsten, sondern dass sie sich ihr Bücherregel mit unzähligen Wälzern und Werken der Weltliteratur schmücken, die sie im Zweifel niemals lasen. Dies sei ein Betrug an sich selbst und Selbstdarstellerei. Aber was ist schon dabei sich mit dem zu umgeben, dass man, sofern man sich denn wirklich mit Literatur und Büchern an sich beschäftigt, so abgöttisch liebt?

Ich kann an dieser Stelle nur für mich selbst sprechen, wenn ich sage, dass mich Bücher und das Lesen ebendieser beruhigen, mich erden und mir das Gefühl geben, etwas Ewiges in den Händen zu halten. Ewig? - Ja, sofern ein Werk es wert ist, hundert Jahre nach seinem Erscheinen noch gelesen zu werden, kann ich von Ewigkeit sprechen, weil mein Leben diese Zeitspanne nicht überdauern wird und man mich spätestens zehn Jahre nach meinem Tode vergessen haben wird.
Es ist mir absolut klar, dass ich nicht jedes dieser gekauften Bücher sofort lesen kann, aber wie schlimm ist das schon? Ob ich mir den Genuss des erstmaligen Lesens heute oder übermorgen gönne, oder ob mich ihm erst in zwanzig Jahren hingebe, ist vollkommen gleich.

Es ist mir aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir im Begriff sind, unser wichtigstes Kulturgut herzuschenken. Man nenne mich einen Spießer, einen ewig Gestrigen oder aber einen Menschen, der Beobachtetes überinterpretiert, nur sah ich heute, als ich durch die Straßen einer Kleinstadt schlenderte - wir sprechen hier von ca. 8500 Einwohnern - drei teilweise vollkommen neu errichtete und scheinbar gut besuchte Fitnessstudios. Dies mag vermessen klingen, aber während all der Meter, die ich herumspazierte, sah ich keine einzige Bibliothek. Nach einigem Recherchieren wusste ich, dass es eine gebe, mehr nicht. Buchläden, die in Zeiten von Amazon und Hugeldubel sowieso unterrepräsentiert sind, erwartete ich nicht einmal. 
Für mich bedeutet das nur eines: Die Menschen geben mehr auf ihr Äußeres und weniger auf ihr Inneres, also das Wissen, das sie sich aneignen. Nun kann man mir entgegnen, dass sie etwas für ihre Gesundheit täten, aber man kann das ebenso mit einem Waldlauf oder einem schönen Sportspiel - ich möchte keine Sportart hervorheben - erreichen.

Aus meiner Sicht geht es heutzutage mehr um das Aussehen, die - aus meiner Sicht fragwürdige - Schönheit und das Protzen mit einem strahlenden Körper. Aber viel häufiger offenbart sich mir dann - nicht immer, aber leider viel zu häufig -, dass sich hinter diesen „wunderschönen“ Menschen nur hohle Schädel und geistlose Gestalten verbergen. Gerade in Zeiten des politischen Aufruhrs und der immer größer werdenden Disparität zwischen links und rechts wäre es an der Zeit, sich mit geistreicher Literatur aus vergangenen Zeiten und der Gegenwart zu beschäftigen, um sich für Diskussionen zu wappnen und seinen eigenen Horizont zu erweitern.

Vielleicht sollten sich die Menschen lieber ein prall gefülltes Bücherregel, dass sie hier und da durch Lektüre und Neukauf erweitern, zulegen, als nur ihren Körpern zu stählern und das Wissen zu vernachlässigen. Wissen wird ewig bleiben und sich ewig erweitern, der schöne Körper jedoch verfällt bei jedem Menschen eines Tages.
In diesem Sinne,
viel Spaß und liebe Grüße
amaXing